Arcadiana op. 12 war Thomas Adès’ erstes Streichquartett, geschrieben kurz nach seinem Studienabschluss in Cambridge im Auftrag des Endellion Quartet, das es im November 1994 beim Cambridge Elgar Festival uraufführte. Der Erfolg kam sofort: allein 1995 fünf Aufführungen in England, dann in den USA und in Japan. Ein Jahr nach dem Quartett entstand die Kammeroper Powder Her Face, bis heute eine der meistgespielten zeitgenössischen Opern, 1997 das Orchesterwerk Asyla, für das sich Simon Rattle seit der Uraufführung mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra einsetzt — zwanzig Jahre später eröffnete er damit seine erste Saison beim London Symphony Orchestra.
Der Titel Arcadiana verweist auf Elemente des verlorenen Paradieses der klassischen Welt, und die sieben Sätze deuten auf einzelne Idyllen: Venezia notturna, Das klinget so herrlich nach Mozarts Zauberflöte, Auf dem Wasser zu singen nach Schubert, Et … (tango mortale), L’Embarquement, O Albion und Lethe. Porträts sind das nicht, auch kein Versuch, vergangene Herrlichkeit in heutiger Sprache nachzuzeichnen: Die Sätze nähern sich ihren Gegenständen wie einer Ruine, deren Unerreichbarkeit gerade darin besteht, dass sie versunken ist. Zwei der Titel sind Zitate: Das klinget so herrlich stammt aus Mozarts Zauberflöte, wo das Glockenspiel die Wächter zum Tanzen bringt, Auf dem Wasser zu singen von Schuberts Lied nach Friedrich Leopold zu Stolberg. Die Sätze sind kurz — keiner dauert länger als vier Minuten —, und der tango mortale in der Mitte ist der längste von ihnen.
Das Klavierquintett op. 20 von 2000 ist mit knapp zweiundzwanzig Minuten ein einziger großer Satz und das ausgedehnteste Stück des Albums. The Four Quarters op. 28 von 2010 gliedert sich dagegen in vier Abschnitte, die den Tag durchmessen: Nightfalls, Morning Dew, Days und The Twenty-fifth Hour — jene fünfundzwanzigste Stunde, die es im Tag nicht gibt.
Das DoelenKwartet aus Rotterdam gehört zu den Ensembles, die das Repertoire des Labels seit Jahren mitprägen; Dimitri Vassilakis, langjähriger Pianist des Ensemble intercontemporain, spielt im Quintett einen Steinway-D-Flügel. Aufgenommen wurde vom 27. Juni bis 2. Juli 2016 im Jurriaanse Zaal von De Doelen in Rotterdam, in Stereo, 5.1 Surround und 3D-Binaural-Stereo. Die Produktion entstand in Koproduktion mit Deutschlandradio und mit Unterstützung von De Doelen; die Gesamtspielzeit beträgt 58:10, das Begleitheft 36 Seiten in Deutsch und Englisch. Für Cybele hat das Quartett zuvor Wolfgang Rihms Streichquartette Nr. 1, 4, 8 und 5 sowie Calliope Tsoupakis Triptychon eingespielt; mit diesem Album setzt sich eine Reihe fort, die zeitgenössische Quartettliteratur in räumlicher Aufnahme dokumentiert.
