Künstlerprofil

Feedback CD6 - Michael von Biel: Cellomusiken 1970/71

Michael von Biel

Erschienen: 2006

Katalog-Nummer: Cybele CD 960306

CD USB-Stick

Kurzbeschreibung

Zeitgenössische Musik aus dem Feedback Studio Köln, gegründet 1970 von Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson.

Beschreibung

“Fortschritt? Gibts nicht”
Aus einem Interview mit Michael von Biel
FP (Feedback Papers): Was hast Du bis jetzt komponiert?
vB (Michael von Biel): opus 1: „Book for three“, „Drei Klavierstücke für Morton Feldman“, „Doubles für Geige und Klavier“ dann: „Streichmusik“ (ist verloren), „1. Quartett“, „2. Quartett“, das zweite Quartett ist wirklich das erste und das erste Quartett bei der Universal-Edition ist das zweite Quartett.
FP: Also, das erste Quartett ist das erste Quartett.
vB: Ja, das zweite Quartett wird als erstes Quartett bei der UE verlegt.
FP: Dann müssen wir aber das erste Quartett anders nennen, wenn wir es veröffentlichen wollen?
vB: Nein, dann müsst ihr der UE schreiben und sagen: das ist aber das zweite Quartett, das ihr habt, wir haben nämlich das erste, so und das dritte Quartett ist das „Quartett mit Begleitung“. Die Originalpartitur ist in Den Haag. Gilius van Berguik ist der Name von dem Mann, der Bescheid weiß. Der hat auch die Originalpartitur vom ersten Quartett, sonst gibt es die nicht.
FP: Welches ist denn nun das erste Quartett, das, was wir in Darmstadt gespielt haben oder nicht?
vB: Nein, nein, wir haben das damals im Atelier von Mary gespielt, Darmstadt das ist das zweite.
FP: Das ist aber das schönere, oder?
vB: Das erste ist auch schön, aber nur ganz kurz, 5 Minuten, ja das zweite ist das schönere, aber die UE hat ja nur das Notenrecht. Die Bänder gibt es im Rundfunk. Dann kommt „Fassung“, dann kommt „Jagdstück“.
FP: Hast Du von Fassung etwas schriftliches, oder gibt es nur das Band?
vB: Ich habe noch ein Buch, ich weiß nicht, ich habe das alles dem Berguik gegeben, der hat viel Material von mir. Dann gibt es noch ein „Weltstück“, eine Komposition für Instrumente, ich glaube, die Sachen haben nur eine Beziehung zu der Zeit, 65/66, Weltstücke, was gibt’s noch, nach dem Jagdstück kommt nichts mehr.
FP: Hast Du nicht ein Orchesterstück geschrieben?
vB: Ja, ich habe „Für Klavier“ ein Klavierstück geschrieben, die Originalpartitur ist bei der UE, obwohl die das bestreiten, aber ich habe sie hingeschickt. Es gibt noch ein „Stück für zwei Klaviere“, das liegt nahe an den Weltstücken, es gehört sehr in die Zeit. Ich habe noch ein Klavierstück gemacht für Harald Bojé, das ist noch unaufgeführt. 1970 kommen die „Cellostücke“. Die sind zum größten Teil unveröffentlicht und ich beabsichtige sie auch nicht zu veröffentlichen. Das erste, was ich veröffentliche, ist „Deutsche Landschaften“ von August 1970 und das zweite ist eben dieses jetzt –
(Das Gespräch fand anlässlich der Produktion von „Cellokonzert“ am 28. Februar 1971 im Feedback Studio statt, während wir auf Rolf Dammers warteten, der von Biels Cello in Verwahrung hatte und es bringen wollte. Die Aufnahme wurde aber nicht zufriedenstellend, sondern erst die nächste in der Nacht vom 4. zum 5. März)
– Ja, viele Kompositionen habe ich nicht gemacht, Johannes.
FP: Wieviele Zeichnungen hast Du gemacht?
vB: Auch nicht viele, vielleicht zweihundert, aber veröffentlicht habe ich nur dreißig.
FP: Wann hast Du angefangen zu zeichnen?
vB: Ich habe angefangen zu zeichnen als ich ganz klein war. Da habe ich Stadtpläne gezeichnet und Landkarten. Dann später, während ich Musik gemacht habe, habe ich Landkarten gezeichnet. Die Landkarten wurden zur Landschaft, und die Landschaft hat mich dann darauf gebracht, bewusst zu werden, mich auseinanderzusetzen mit der Zeichnung. Und als ich dann später die Zeichnung entdeckt habe – was sie für mich war, war dieser Prozess für mich abgeschlossen. Die Zeichnungen gehören oft einer Familie an, es gibt 10, 20 Zeichnungen zu einer Vorstellung, während es nur ein Cellostück jeweils gibt zu einer Vorstellung.
FP: Du spielst aber doch das gleiche Stück manchmal auch öfters.
vB: Nein, ich habe noch nie das gleiche Stück gespielt. Zum Beispiel, wenn ich heute abend das Stück vom 7. Februar spiele, wird es vielleicht das gleiche Stück sein, aber ich werde verschiedene Sachen ändern, es ist nicht mehr die Gegenwart vom 7. Februar. Also wird dieses einen anderen Charakter haben, weil es aus einer anderen Situation kommt. Ich lasse mich von dem Aufführungsmoment sehr beeinflussen, also ich mache mir nie so viele Regeln, dass ich nicht von Dingen, die von außen kommen, auch profitieren kann.
FP: Können Dich auch Dinge stören, die von außen kommen, beim Cellospielen?
vB: Beim spielen nicht.
FP: Kann die gesamte Aufführungssituation störend sein?
vB: Ich muss sie verstehen. Wenn ich sie nicht verstehe, dann kann es sehr störend sein, dann kann ich nicht spielen, wenn ich nicht begreifen kann, was los ist.
FP: Hat Dein Cellospiel heute etwas zu tun mit Deinem Cellospiel damals bei den Quartetten, 1961/62?
vB: Ich glaube, die Musik von 1970 und von heute ist eine andere Art von Musik.
FP: Siehst Du einen Fortschritt darin?
vB: Fortschrittlich? In was?
FP: In der Musik, oder für Dich persönlich.
vB: Gibt’s nicht. Also in der Musik gibt es keinen Fortschritt. Ob es in mir persönlich einen Fortschritt gibt?
– lange Pause–
Ja, von der Musik weg, das wäre ein Fortschritt für mich.
FP: Wohin?
vB: Das kann aber wieder nur eine Vorstellung sein, was ich eben gesagt habe. Wohin? Früher dachte ich, es wäre ein Fortschritt vom Nicht Musik machen zur Musik, das wäre ein Fortschritt. Dann dachte ich, es wäre ein Fortschritt, von der Musik zu einer Art „Happening Musik“, Fluxus Musik, Weltstücke nannte ich die damals. Dann dachte ich, es wäre ein Fortschritt von den Weltstücken zur Zeichnung. Dann dachte ich, es wäre ein Fortschritt von der Zeichnung zum Cellospielen. Dann dachte ich, es wäre ein Fortschritt vom Cellospielen zu einer ganz einfachen Zeichnung, zu einer Ideenzeichnung, nicht zu einer bildnerischen Zeichnung, zur Zeichnung einer Idee, eines Konzepts. Und da ich diese Vorstellungen alle durchgemacht habe, stimmt es wohl für mein Leben, aber ich würde es nicht verallgemeinern, für Musiker. Die meisten Musiker denken ja, die Musik wäre das Größte. Wenn man das selbst glaubt, dann ist es das auch. Ich glaube, es kommt darauf an, wie man über etwas denkt, das ist alles.
– Pause–
Ich habe vielleicht durch diese Prozesse denken gelernt, sonst nichts.
FP: Warum hast Du ein Cellostück „Deutsche Landschaften“ genannt, ist das Programm-Musik?
vB: Nein, Konzeptkunst vielleicht. Deutsche Landschaften kennzeichnet eine ästhetische Vorstellung, die eventuell bei der Zeichnung einer deutschen Landschaft vom Bodensee dahinterstehen könnte, ein Konzept. Der Unterschied zwischen Cellospielen und Zeichnen: die Musik ist ein gedankliches Konzept, die Zeichnung ist ein ausgeführtes Konzept.


 


Das Feedback Studio
Nach monatelanger Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen auf der Weltausstellung 1970 in Osaka fassten die drei Komponisten Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson den Entschluss, sich selbständig zu machen. 1970 riefen sie das Feedback Studio ins Leben: ein unabhängiges, privates elektronisches Studio. Ein Jahr später gründeten Fritsch und Gehlhaar mit dem Feedback Studio Verlag den ersten deutschen Komponistenverlag. Studio und Verlag befanden sich im Belgischen Viertel in Köln in einem Hinterhaus, wo Fritsch sich 1967 unter dem Dach ein Privatstudio eingerichtet hatte. Sowohl Studio als auch Verlag verstanden sich nicht als ein kommerzielles Unternehmen, sondern vielmehr als eine Künstlerkooperative und ein alternatives Zentrum für Musik. Der Verlag vertrat bis zu 300 Kompositionen von 20 Komponisten. Sein Programm umfasste neben elektronischen und live-elektronischen Werken, Computerkompositionen und Werken für großes Orchester vor allem Kammermusik, etwa der Komponisten Klarenz Barlow, Michael von Biel, Peter Eötvös, Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar, Caspar Johannes Walter und vielen mehr. Die Schriftenreihe Feedback Papers, insgesamt 46 Hefte bzw. Bücher, dokumentieren in Nachrichten, Informationen, Projektbeschreibungen, Analysen und Aufsätzen nicht nur die Geschichte des Feedback Studios, sondern geben einen eigenen Blick auf die Geschichte der Neuen Musik, abseits der philharmonischen Hauptwege und etablierten Festivals.
Nach Fritschs Tod 2010 wurde der Feedback Studio Verlag aufgelöst. Noch vorrätige Feedback Papers und CDs sind in die edition johannes fritsch übergegangen (www.editionjohannesfritsch.de). Alle historischen Dokumente wie Materialbänder, Tonbandaufzeichnungen von Hinterhausmusiken, Korrespondenzen oder historische Apparate befinden sich im Musikarchiv der Akademie der Künste (www.adk.de) in Berlin.


 

Details

Michael von Biel (Violoncello)


Begleitheft-Sprachen: Deutsch, Englisch (16 Seiten Umfang mit Digipak)


Gefördert von der Kunststiftung NRW

Biografien

Michael von Biel
Geboren 1937 in Hamburg. Ab 1956 Musikstudien in Toronto, Wien, New York (mit Morton Feldman), Aufenthalt in London (Bekanntschaft mit Cornelius Cardew).
In New York Kontakt zur New School of Social Research und mit John Cage.
1961-63 Internationale Ferienkurse in Darmstadt (K. Stockhausen, David Tudor), Cage und Tudor führen 1962 in Japan Für zwei Klaviere I, II, III auf.
Zugehörigkeit zur Fluxus-Bewegung, Konzerte im Atelier von Mary Bauermeister. 1964 und 65 Teilnahme an den Kölner Kursen für Neue Musik (Stockhausen), 1964 Kompositionsauftrag des WDR, Arbeit im elektronischen Studio (Fassung), 1965/66 composer in residence an der State University of New York in Buffalo, 1968 Uraufführung des Jagdstück in Düsseldorf.
1968/69 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (Joseph Beuys), 1970 erste Einzelausstellung, Kontakt mit den Musikern der Beat-Gruppe CAN, Hinwendung zur Pop-Kultur, Aufnahmen der Cellomusiken im Feedback Studio, Improvisationen in verschiedensten Kontexten, Ende der 70er Jahre Kompositionen im Zeichen der „Neuen Einfachheit“, zunehmend Einzelausstellungen, 1977 Beteiligung an der documenta VI, die meisten Arbeiten in Privatbesitz.
Kataloge des Kölnischen Kunstvereins/Kunstraum München, der Galerie Klein (Bonn), Galerie Karsten Greve und Salon-Verlag (Köln), des Kunstverein Greven und der Herbert Weisenburger Stiftung Rastatt und zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen.
Ausführliche Dokumentation aller Kompositionen im Katalog der Herbert-Weisenburger-Stiftung, Rastatt 2003.
Verlag: Feedback Studio Verlag Köln
CD-Einspielungen u.a.: „Book for three" (Feedback CD 3); „Fassung", „Jagdstück", Quartette I und II, „Quartett mit Begleitung" (Edition RZ)

Feedback CD6 - Michael von Biel: Cellomusiken
FLAC 16bit 44.1kHz Stereo
USB-Stick CD

Datenträger (CD, SACD, USB-Stick oder DVD)

Medium Information Preis
CD Feedback CD6 - Michael von Biel: Cellomusiken 1970/71 (CD)
EAN/UPC-Barcode: 809548010324
16,90 €
USB-STICK Feedback CD6 - Michael von Biel: Cellomusiken 1970/71 (USB-Stick)
18,90 €

Hörproben und Track-Downloads

FLAC 16bit 44.1kHz Stereo
FLAC 16bit 44.1kHz Stereo
MP3 & FLAC Tracktitel Spielzeit Preis
Play FLAC
1) Deutsche Landschaften (1970)
Komponist: Michael von Biel (1937-)
Interpret(en): Michael von Biel
40:45
13,99 €
Play FLAC
2) Cellokonzert (1971)
Komponist: Michael von Biel (1937-)
Interpret(en): Michael von Biel
37:59
12,99 €
Gesamtspielzeit  78:44  
Feedback CD6 - Michael von Biel: Cellomusiken 1970/71 [Cybele 960306 - Komplettes Album, FLAC 16bit 44.1kHz Stereo] (323.40MB)
15,90 €

Komplettes Album herunterladen (Download) - mit PDF-Booklet (16 Seiten)

FLAC 16bit 44.1kHz Stereo (323.40MB)
15,90 €