Rolf Riehm: aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es

Theo Nabicht, Ensemble ascolta, The Hilliard-Ensemble, Ensemble recherche

Erschienen: 2008

Katalog-Nummer: Cybele SACD 860701

Hybrid-SACD Stereo+5.0ch Surround Sound USB-Stick
5CH

Kurzbeschreibung

Auf das Titelstück für Kontrabassklarinette, Violine, Trompete, Violoncello und Posaune folgen „ahi bocca“ (1991) für vier Vokalisten und „Schlaf, schlaf, John Donne“ (1997) für Violine, Bassklarinette, Akkordeon und Keyboard.

Beschreibung

»Kunst an ihrer äußersten Spitze kümmert sich nicht um irgendwelche Verpflichtungen oder Einlösungen«, sagt der Frankfurter Komponist Rolf Riehm und meint damit auch die Verbindlichkeiten, die ein vornehmlich auf Identifizierung ausgerichtetes »Eigenes« mit sich bringt. Die wiedererkennbare Handschrift, die Dingfestmachung des Künstlers im »Personalstil« ist Riehm suspekt: »Ich finde es eher langweilig, eine sogenannte eigene künstlerische Sprache zu entwickeln.« Stattdessen bedeute Komponieren für ihn, einen »Bestand an emotionaler Sensibilität« zu sichern – wahrzunehmen, empfänglich zu sein, zu reagieren. Diesen Bestand gilt es immer aufs Neue zu erweitern; Sensibilität verträgt keine Muster, kein Repertoire von Verfügbarkeiten, aus dem der passende Affekt bloß noch herausgegriffen werden muss. Jedes seiner Werke ist somit ein neuer Versuch, sich einzulassen, sich achtsam dem jeweiligen Sujet zu widmen, es in Beziehung zur Gegenwart zu setzen. Die Fülle dieser Sujets ist enorm: politisches Zeitgeschehen, historische Fakten, Mythen, Märchen, Erinnerungen, Lyrik, Epik und Dramatik, Exponate aus der Musikgeschichte – Stoffe verschiedenster Herkunft trägt Riehm ohne erkennbare Systematik zusammen. Deren Vernetzung erfolgt erst im Prozess des Komponierens – die Griffe in den Zettelkasten sind dabei wiederum von keiner objektivierbaren Folgerichtigkeit geleitet.
»Musik ist für Riehm in Klänge gesetztes Denken und Erleben«, schreibt der Musikjournalist Frank Hilberg. Jenes Denken, das Riehms Kompositionen vorausgeht und ihre Entstehung begleitet, ist – im Sinne von Claude Lévi-Strauss – ein »wildes«; ein Denken, das nicht infolge kausaler Ableitungen, als vielmehr durch fortwährende Kombinationen und Assoziationen zu Erklärungen gelangt. Dementsprechend verweigert sich seine Musik den »klassischen« Standards einer Bezogenheit der Materialien, einer Schlüssigkeit der Entwicklung. »Die Seele«, sagt Riehm, »fühlt die Dinge nicht der Reihe nach, sondern kreuz und quer und in vielen Geschwindigkeiten gleichzeitig«. Einer solchen Form der unaufgeräumten Wahrnehmung will er mit seiner Musik entsprechen: Unstimmigkeiten und Widersprüche sind jederzeit zulässig.
Die drei Stücke dieser SACD, sämtlich Aufträge des Westdeutschen Rundfunks für die Wittener Tage für neue Kammermusik, sind musikalische Wahrnehmungen literarischer Fundsachen: Texten von Inger Christensen, Rainald Goetz und Joseph Brodsky. Dass diese Kompositionen keiner poetischen Programmatik folgen und schon gar nicht vertonen, steht außer Frage. Auch hier gilt die Absage an die Konsistenz: Riehm stülpt der Musik nicht die Semantik der Texte über; Sprache und Klang bleiben autonom, jegliche Form der narrativen Verdopplung wird ausgeschlagen. (Michael Rebhahn)

Details

Track 1: Theo Nabicht (Kontrabaßklarinette) - Ensemble Ascolta: Benjamin Spillner (Violine), Markus Schwind (Trompete), Erik Borgir (Violoncello), Andrew Digby (Posaune) - CD-Zuspielung: Inger Christensen (Stimme)
Track 2: The Hilliard Ensemble: David James (Countertenor), Rogers Covey-Crump (Tenor), John Potter (Tenor), Gordon Jones (Bariton)
Track 3: Ensemble Recherche: Melise Mellinger (Violine), Uwe Möckel (Baßklarinette), Klaus Steffes-Holländer (Keyboard), Teodoro Anzellotti (Akkordeon) - CD-Zuspielung: Karmen Mikovic (Stimme), Jossif Brodskij (Rezitation)


Tonmeister: Wolfgang Ellers


Stereo-Mischung und Surround-Mischung: Ingo Schmidt-Lucas (Track 1), Wolfgang Ellers (Track 2, 3)


Begleitheft-Sprachen: Deutsch und Englisch (32 Seiten Umfang mit Digipak)


Track 1: Eine Co-Produktion mit dem Westdeutschen Rundfunk Köln (2006/2007)


Track 2 und 3: Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks Köln (1995/1998)

Biografien

Rolf Riehm
1937 in Saarbrücken geboren, komponiert mit Wirklichkeiten, mit historischen, zeitgenössisch-zeitnahen und aktuellen. Rolf Riehm, der Schulmusik in Frankfurt am Main und ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg im Breisgau studiert hat, komponiert gegen Wirklichkeiten, gegen vergangene und gegenwärtige. Ein Widerspruch? Allenfalls zunächst. In seiner Musik greift Rolf Riehm vielfach auf alte Stoffe zurück, auf Mythen, Sagen, Märchen und Legenden, auf Berichte über Orpheus, Scheherazade, Odysseus und über andere Schicksalsfiguren der geistesgeschichtlichen Antike. Gerne erarbeitet er sich diese Erzählungen über verschiedene geschichtliche Stationen, über Lesarten durch andere. Die Lektüre der Originalüberlieferungen ist dabei eng verknüpft mit der Lektüre von jüngeren Aneignungen, Bearbeitungen, Aufgriffen. Riehm, von 1974 bis 2000 Professor für Komposition und Tonsatz an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste Frankfurt am Main, interessiert es sehr, wie andere vor ihm und um ihn herum sich mit den Themen auseinandersetzen, die auch ihn beschäftigen, zu welchen Sichten, Deutungen und Perspektiven sie in und mit ihren Künsten kommen. Solcherlei Annäherungen des Musikers Rolf Riehm, der auch als Solo-Oboist hervorgetreten ist, folgen keinem exakt vorformulierten Plan. Vielmehr unternimmt er kursorische Ausflüge in die große Bibliothek menschlichen Wissens, die sich stetig und labyrinthisch erweitert, vertieft sich hier und da und gelangt von diesen Konsultationen zu anderen Literaturen, Musiken, Denksphären und von daraus wieder woanders hin. Das ist ein sprunghaftes Vorgehen, und derartige Sprünge, auf thematischer und auf Materialebene, finden sich vielfach auch in Riehms Oeuvre. Riehm, zwischen 1976 und 1981 Mitglied des legendären „Sogenannten Linksradikalen Blasorchester“ Frankfurt, kennt keine Scheu, bereits Gesagtes nochmals zu sagen, es auch in den Worten und Klängen anderer zu sagen und das meist rasant schnipselhaft Zitierte mit seinen eigenen Befunden anzureichern, zu durchbrechen, in eine neue, heutige Perspektive zu überführen. Die Sicht zeitgleicher Ungleichzeitigkeiten, geschichtlich geschichteter Schichten mit durchgängigen Kernmomenten, artikuliert Riehm, in den sechziger und siebziger Jahren Dozent an der Rheinischen Musikschule in Köln, in einer unikaten Klangsprache. Diese integriert die Errungenschaften der musikalischen Avantgarde ebenso, wie er ihr zugleich durch einen haptisch-somatischen, betont gestischen Idiolekt eine stupende Unmittelbarkeit verleiht. So wie die Musik von Rolf Riehm, der 1992 den Kunstpreis des Saarlandes erhielt, 2002 den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau, die (großen) Erzählungen in sich birgt, ist sie in ihrem Duktus selbst auch erzählerisch. Dabei ist sich der Erzähler klar darüber, dass Erzähltes nicht allein durch logische Plots wirkt, sondern auch durch die Anmutung, die Haltung, die Angemessenheit der Sprache. Mit Wirklichkeiten gegen Wirklichkeiten komponieren für Wirklichkeiten von sicher nicht gleich auf morgen, aber hoffentlich künftig das in Rolf Riehms Musik zu hören, hören zu dürfen, stimmt zuversichtlich, ist Klang gewordene Zuversicht. (Stefan Fricke)

Auszeichnungen

Preis der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste 1/2009, Kategorie Zeitgenössische Musik)


Neue Zeitschrift für Musik - Empfehlung der Redaktion (Ausgabe 2/2009):
..."hochkarätige Interpreten und Einspielungen"... (Dr. Eberhard Kneipel)


FonoForum - Stern des Monats (Ausgabe 5/2009):
..."Ob Märchen, antiker Mythos oder gesellschaftliche Realität die Sujets von Rolf Riehm sind so vielfältig wie ihre musikalischen Wahrnehmungen und Reaktionen."... (Dirk Wieschollek)

Rolf Riehm: aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es
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DSD 1bit 2.8224MHz 5.0 Surround

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1) aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es (2004)
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Theo Nabicht, Ensemble ascolta
29:27
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2) Ahi bocca, ahi lingua (1991-1994)
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): The Hilliard-Ensemble
16:15
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3) Schlaf, schlaf John Donne, schlaf tief und quäl dich nicht (1997)
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Ensemble recherche
19:20
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Gesamtspielzeit  65:02  
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