Hans Werner Henze

Komponist

Biografie

Henze, Hans Werner

Hans Werner Henze
am 1. Juli 1926 in Gütersloh geboren, nimmt 1942 an der Staatsmusikschule Braunschweig ein Musikstudium auf mit den Fächern Klavier und Schlagzeug. 1944 muss er „Reichsarbeitsdienst“ leisten und wird als Funker zur Wehrmacht einberufen. 1945 gerät er in britische Kriegsgefangenschaft. Nach Ende des Krieges arbeitet er als Korrepetitor am Stadttheater Bielefeld, dann am Theater Konstanz bei Heinz Hilpert. 1950 wird er künstlerischer Leiter und Dirigent des Balletts am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Sowohl durch das restaurative politische Klima als auch die ihm – mit einer ausschließlich seriellen Musik – zu restriktive Darmstädter Schule fühlt sich Henze in Deutschland zunehmend eingeengt und übersiedelt 1953 nach Ischia. Ab 1956 zieht er für sieben Jahre nach Neapel, dann kurzzeitig nach Rom und Castel Gandolfo, bis er schließlich im benachbarten Marino gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Fausto Moroni seinen Wohnsitz nimmt. Henze ist von Anfang an ein Mann des Theaters; er schreibt – insgesamt sind es bis heute nahezu 50 Bühnenwerke – Ballette, Funkopern und Opern, in denen er aus einem immensen literarischen Fundus schöpft. Aber auch viele seiner reinen Instrumentalwerke beziehen sich auf literarische Stoffe (unter den zehn Symphonien etwa die achte auf Shakespeares Sommernachtstraum). Mit Ingeborg Bachmann verband ihn eine enge Freundschaft: Mit ihr als Librettistin entstehen die Opern Der Prinz von Homburg (1958/59) und Der junge Lord (1964). Auch W. H. Auden und Chester Kallman schreiben ihm zwei Libretti für die Elegy for young lovers (1961) und The Bassarids (1964/65). Henzes politisches Engagement schlägt sich vor allem in den Werken der 1960er und 1970er Jahre deutlich nieder wie in seinen gesellschaftskritischen Opern We Come to the River (1974/76) bzw. The English Cat (1980/83) nach Edward Bond. Vor allem mythologische und Märchen-Stoffe finden sich in den Opern jüngerer Zeit, darunter Venus und Adonis (1993/95), L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe (2003) und Phaedra (2007). Aus Henzes kulturpädagogischer Arbeit etwa in Montepulciano bei dem von ihm 1976 gegründeten „Cantiere Internazionale d’arte“ erwächst die Idee seines Pollicino. Neben diesem szenischen Märchen für Kinder widmet er sich im Jahr 2010 in seinem aktuellsten Bühnenprojekt Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks gemeinsam mit Michael Kerstan erneut der Musiktheaterarbeit für und mit Jugendlichen.
1988 gründet er die Münchner Biennale, deren Intendanz er 1996 an Peter Ruzicka abgibt. Im gleichen Jahr erscheint Henzes Autobiographie Reiselieder mit böhmischen Quinten. Henze ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter mit dem Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Praemium Imperiale Award Tokio. Im Jahre 2010 widmet ihm die Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 eine große Werkschau. Er starb am 27. Oktober 2012 in Dresden.

Veröffentlichte Alben

  • Appassionatamente plus Lulu-Suite

    Gewalt und Natur in Orchesterwerken von Alban Berg und Hans Werner Henze ‑ Oper für den Konzertsaal. Die Essener Philharmoniker, in der „Opernwelt“-Umfrage zweimal „Orchester des Jahres“, spielen unter ihrem langjährigen Chefdirigenten.

  • Hans Werner Henze und das Requiem

    Dritte Folge der Reihe „Künstler im Gespräch“. Mirjam Wiesemann besuchte Henze in seiner italienischen Wahlheimat. Seine „Neun geistlichen Konzerte“ werden gespielt vom Trompeter Reinhold Friedrich und den Bochumer Symphonikern.

Keine Veranstaltungen gefunden.