Alexander Skrjabin

Komponist

Biografie

Skrjabin, Alexander

Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1871-1915)
(Александр Николаевич Скрябин; Alexander Nikolaievich Scriabin; weitere Varianten: Skryabin, Scriabine)


Alexander Nikolajewitsch Skrjabin wurde am 6. Januar 1872 (25. Dezember 1871) in Moskau geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter, und da sein Vater die meiste Zeit im diplomatischen Dienst im Ausland verbrachte, wurde seine Erziehung von einer Tante übernommen, die ihm auch den ersten Klavierunterricht erteilte. Mit zehn Jahren wurde seine weitere Ausbildung einer Kadettenschule anvertraut, die eine spätere militärische Laufbahn vorbereiten sollte. Aber bereits ein Jahr später erfolgte Skrjabins Entschluss fortan eine musikalische Karriere zu verfolgen. Nach privaten Kompositions- und Theoriestudien bei Georgij Konjus und Sergej Tanejew besuchte er von 1888 bis 1892 das Moskauer Konservatorium, wo Anton Arenski und wiederum Tanejew seine Lehrer waren. Seine pianistische Ausbildung übernahm hier zunächst Vasilij Safonov.


Nach dem erfolgreichen Abschluss des Konservatoriums 1892, wo Skrjabin mit einer Goldmedaille für sein Klavierspiel ausgezeichnet wurde, begann er zunächst eine sehr vielversprechende Pianistenkarriere, die ihn auf ausgedehnte Auslandreisen führte. Außerdem hatte der Reiche Mäzen und Verleger Mitrofan Belajew ihn unter Vertrag genommen und hielt ihn fortwährend zur Komposition von Klavierstücken an. Auf den zahlreichen Konzertreisen spielte Skrjabin bald ausschließlich seine eigenen Kompositionen, zumeist Klavierminiaturen wie Préludes, Etüden und Mazurkas, die dem durch Frederik Chopin geprägten Formenkanon entstammen. Inhaltlich zeigen sich seine frühen Kompositionen jedoch schon bald mehr von den Klangwelten Schumanns, Liszt oder Tschaikowskys beeinflusst. Die Werke dieser Periode weisen ebenfalls eine rasante Entwicklung seiner pianistischen Fähigkeiten auf. Als Kernelement seiner musikalischen Handschrift gibt sich hier bereits ein ausgeprägt polyphones Denken zu erkennen, ein Hauptgegenstand des Unterrichts bei Tanejew.


Neben den ersten großen Orchesterwerken, die um die Jahrhundertwende entstehen und die den Einfluss Wagners und wiederum Tschaikowskys verraten, beginnt Skrjabin sich intensiv mit philosophischen und mystischen Inhalten zu beschäftigen. Parallel dazu beginnen diese neugewonnenen Erkenntnisse nun in Skrjabins künstlerischen Konzeptionen einzufließen. In Analogie zur zeitgleich sich artikulierenden Bewegung des Symbolismus erweitert sich Skrjabins Kunstwollen nun auch um eine poetisch-literarische Dimension. Ebenso die Idee der Synästhesie und des wagnerschen „Gesamtkunstwerks“ lenken ihn nun zu immer komplexeren Entwürfen, mit denen seine verblüffend schnelle musikalisch-kompositorische Entwicklung wie selbstverständlich Schritt hielt. Zwischen 1898 und 1902 war Skrjabin Lehrer für Klavierspiel am Moskauer Konservatorium, aber 1904 verließ er Russland und hielt sich jetzt dauerhaft in der Schweiz, Italien und Belgien auf, wo er durch Vermittlung des symbolistischen Malers Jean Delville (1867-1953) in näheren Kontakt mit der – ursprünglich aus Russland stammenden – Bewegung der Theosophie kam. Skrjabins autodidaktisch erworbene mystisch-philosophische Bildung, die von Solowjow, Nietzsche und Bergson geprägt war bekam dadurch neue Inspiration.


Kompositorisch unterliegt nun zunächst Skrjabins Harmonik einer charakteristischen Verwandlung die sich um 1909/10 in seinem Orchesterwerk „Prometheus“ zu einer nicht mehr tonalen Tonsprache entwickelt hat. Diese basiert auf der exklusiven Verwendung eines sechstönigen, auf dem Intervall der Quarte aufgebauten Akkords, aus dem sämtliche melodischen und harmonischen Strukturen der Komposition hervorgehen. Dieses Gebilde wird häufig als „Prometheus-Akkord“, bzw. als „mystischer Akkord“ bezeichnet, sein harmonischer Spannungsgehalt bleibt über weite Strecken konstant, er dient als so genanntes „Klangzentrum“. Dieser harmonisch-modulatorischen Einschränkung begegnet Skrjabin in seinen folgenden Kompositionen mit der sofortigen Verfeinerung und Ausdifferenzierung seines gerade entdeckten Systems. Neben einem ausgetüftelten Transpositionsplan, der Anreicherung der Klangsubstanz um weitere Akkordtöne, deren Alteration, sowie der Modifikation seiner intervallischen Struktur ist es vor allem die subtile polyphone Vernetzung der Motive die in Skrjabins kompositorisches Spätwerk formbildend wirkt und den Stücken ihre bezwingende innere Logik verleiht.


Dieser originelle kompositorische Ansatz befand sich noch mitten in seiner Erprobungs- und Entwicklungsphase, als sein Erfinder am 27. April 1915 überraschend an den Folgen einer Blutvergiftung starb. Skrjabins hat für seine im Symbolismus wurzelnde Ästhetik eine zukunftweisende konstruktive Kompositionsmethode entwickelt. Seine kompositorische Hinterlassen- und Könnerschaft genoss innerhalb seiner Nachfolgegeneration die allerhöchste Wertschätzung und die produktive Auseinandersetzung mit seinem Schaffen trug Wesentliches zu ihren eigenen Experimenten bei. In dieser Hinsicht sind die Konzeptionen von Nikolaj Obuchov und Ivan Wyschnegradsky die konsequentesten Beispiele der Weiterentwicklung, aber auch die charakteristische, systematisierende Anverwandlung von Skrjabins Kompositionsstil durch Nikolaj Roslavets und Sergej Protopopov bildet eigenständige Varianten aus. Auf Alexander Mosolov und Arthur Lourié wiederum wirkte das Vorbild Skrjabin nicht dauerhaft prägend, für sie stellt es mehr ein Durchgangsstadium dar. Gemeinsam hinterlassen die Komponisten der „Klavierwerke um den Russischen Futurismus“ ein einzigartiges, lose miteinander verwobenes Werk, in dem ein originelles und sehr komplexes musikalisches Denken, von großer philosophischer Tiefe und musikhistorischer Bedeutung zum Ausdruck kommt.

Veröffentlichte Alben

  • Klavierwerke um den Russischen Futurismus Vol. 4

    Die abschließende vierte Folge der SACD-Reihe stellt Werken Nikolaj Roslavets und Sergej Protopopovs Kompositionen von Igor Strawinsky und Alexander Skrjabin gegenüber und gewährt dadurch einen Ausblick auf den erweiterten Wirkungskreis des Futurismus auf die russische Musik. Ausgezeichnet mit dem Echo Klassik 2017.

Keine Veranstaltungen gefunden.