Pierre Boulez

Komponist und Dirigent

Biografie

Boulez, Pierre

Pierre Boulez wurde am 26. März 1925 in Montbrison (Loire) geboren. Nach dem Besuch der Klasse für Mathématiques spéciales in Lyon wandte er sich ab 1942 endgültig der Musik zu und ließ sich in Paris nieder, wo er am Conservatoire in Olivier Messiaens Klasse für Harmonielehre eintrat. Es folgten private Kontrapunktstudien bei Andrée Vaurabourg-Honegger, der Analyse bei Olivier Messiaen und der Zwölftontechnik bei René Leibowitz.
1946 wurde Pierre Boulez zum Leiter der Bühnenmusik bei der Compagnie Renaud-Barrault ernannt; im selben Jahr entstanden Sonatine für Flöte und Klavier, Première Sonate für Klavier und die erste Version von Le Visage nuptial für Sopran und Kammerensemble auf Gedichten von René Char.
Von da an zeichnete sich endgültig eine Karriere als Komponist ab, wie es auch die zahlreichen Werke der folgenden Jahrzehnte bestätigten. Ganz besonders zu erwähnen sind Deuxième Sonate für Klavier (1946-48), Structures I für zwei Klaviere (1951-52), Le Marteau sans Maître (1953-55), Structures II für zwei Klaviere (1956/61), Pli selon pli (1957-62) sowie Éclat / Multiples (1965-70) und Rituel in memoriam Bruno Maderna (1974-75).
Seit 1953 werden Boulez’ Kompositionen bei der Universal Edition in Wien verlegt. 1954 wurde eine Reihe von vier Kammermusikkonzerten im Petit Théâtre Marigny initiiert, die ein Jahr später den Namen Les Concerts du Domaine musical erhielt. 1959 ließ sich Boulez in Baden-Baden nieder. Nach einer Professur in Basel (1960-63) und einer Gastprofessur an der Harvard University (1963) folgte er der Einladung Wieland Wagners und dirigierte 1966 bis 1970 Parsifal in Bayreuth, dazu auch Tristan und Isolde in Japan (1967). 1967 begann seine Zusammenarbeit mit dem Cleveland Orchestra. Im selben Jahr übergab er die Leitung des Domaine Musical an Gilbert Amy. Nach seinem ersten Gastdirigat bei den New Yorker Philharmonikern im Jahre 1969 trat Pierre Boulez 1971 die Nachfolge Leonard Bernsteins als Musikdirektor des Orchesters an. Ebenfalls 1971 wurde er für vier Jahre zum Chefdirigenten des BBC Symphony Orchestra in London ernannt. Das Jahr 1976 führte Pierre Boulez erneut nach Bayreuth: Wolfgang Wagner lud ihn ein, zur 100. Wiederkehr des Uraufführungsjahres die Ring-Tetralogie in der Inszenierung von Patrice Chéreau zu dirigieren. Die Frage der Vergänglichkeit musikalischer Werke beschäftigte Pierre Boulez sowohl als Komponisten und Analytiker als auch als Dirigenten und Pädagogen. Daher rief er Institutionen ins Leben, die sich der langfristigen Lösung zweier Hauptprobleme der zeitgenössischen Musik widmen: einerseits der notwendigen technischen Voraussetzungen für musikalische Erneuerungen, andererseits der Verbreitung von Musik und der Entwicklung des Verhältnisses von Publikum und Musik. Auf Einladung von Präsident Georges Pompidou gründete und leitete Pierre Boulez das IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique), das im Herbst 1977 seine Pforten öffnete. Am 14. Januar 1976 wurde die Gründung des Ensemble InterContemporain bekanntgegeben und Pierre Boulez zu dessen Präsidenten ernannt; ebenfalls in diese Zeit fiel die Ernennung zum Professor am Collège de France.
Zu den Hauptwerken, die im Laufe der Jahre am IRCAM entstanden, gehören Répons (1980-86) für sechs Solisten, Ensemble und Computer, Dialogue de l’ombre double (1985) für Klarinette, Tonband und Raumklangdispositiv, ...explosante-fixe... für Flöte, Ensemble und Computer (1991-93) und Anthèmes 2 für Violine und Live-Elektronik (1997). Seit 1986 sind sämtliche Manuskripte von Pierre Boulez als Nachlass zu Lebzeiten in der Paul Sacher Stiftung in Basel zugänglich.
Pierre Boulez ist Autor zahlreicher Bücher und Essays über Musik. Darüber hinaus beteiligte er sich auch an anderen bedeutenden Projekten, die sich die Verbreitung von Musik zu ihrer Aufgabe gemacht haben: Die Opéra Bastille sowie die Gründung der Cité de la musique seien als zwei wichtige Beispiele genannt. Seit 1992 verbindet ihn ein Exklusivvertrag mit der Plattenfirma Deutsche Grammophon, mit der er zahlreiche Werke eingespielt hat. Zur selben Zeit legte Pierre Boulez seine Funktion als Direktor des IRCAM nieder und wurde zum Ehrendirektor des Institutes ernannt. Er widmet sich seither ausschließlich der Komposition (u.a. Sur Incises (1996/98), Dérive 2 (1988/1993/2006) und seiner Dirigiertätigkeit, die ihn zu berühmten Festspielen und an die Spitze der besten Orchester der Welt führt. 2010 gründete er die Stiftung Pierre Boulez in Basel, die der weltweiten Förderung von zeitgenössischer Musik dienen soll; sie hat insbesondere zum Ziel, die Komposition neuer Werke und deren Uraufführung unter anderem an der Lucerne Festival Academy zu ermöglichen, wo Pierre Boulez seit 2004 auch die Dirigierkurse leitet.
Boulez’ Arbeit wurde u.a. mit insgesamt 26 Grammy Awards, dem Ernst von Siemens Musikpreis (1979), dem Praemium Imperiale der Japan Art Association (1989), dem Gramophone Award (Künstler des Jahres, 1995), dem Swedish Polar Prize (1995), dem Berliner Kunstpreis (1996), dem Glenn-Gould-Preis (2002), dem Deutsch-Französischen Kulturpreis (2008) und dem Kyoto-Preis (2009) ausgezeichnet.

Veröffentlichte Alben

  • Pierre Boulez und das Klavier

    Pierre Boulez und das Klavier ist Vol. 4 der Cybele-Dokureihe „Künstler im Gespräch“, die 2011 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet wurde. Erstmals wird hier das gesamte Klavierwerk von Boulez eingespielt. Ergänzend hierzu führte Mirjam Wiesemann Gespräche mit Pierre Boulez und Dimitri Vassilakis.

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