Peter-Jan Wagemans wurde 1952 geboren und studierte am Königlichen Konservatorium in Den Haag Orgel, Musiktheorie und Komposition, diese bei Jan van Vlijmen; einige Zeit arbeitete er im Elektronischen Studio in Den Haag und bei Klaus Huber in Freiburg. Seine Musik erklang bei Festivals in Donaueschingen, Warschau, Venedig und Royan und wurde von führenden Orchestern und Ensembles der Niederlande gespielt, darunter das Königliche Concertgebouw-Orchester unter Riccardo Chailly, das Schönberg-Ensemble und der Niederländische Kammerchor. Wagemans unterrichtet Komposition und Musiktheorie am Konservatorium in Rotterdam und ist künstlerischer Leiter und Programmgestalter des Nordholländischen Philharmonischen Orchesters in Haarlem und des Doelen Ensembles in Rotterdam. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die 6. Sinfonie „Panthalassa“ (1994–95) für sinfonisches Blasorchester, der Klavierzyklus „Het Landschap“ (1989) und die 7. Sinfonie (1998–99).
In seinem Text „Eine Erklärung“ im Begleitheft beschreibt Wagemans seine Haltung. Er wolle Musik schreiben, deren musikalischer und emotionaler Kern für Hörer spürbar sei, die auch Mahlers Sechste verstehen; als er das schrieb, sei es eine Kriegserklärung an die modernistische Strömung gewesen. Gegen Schönberg oder Stockhausen habe er nichts, er habe ihnen nur nichts hinzuzufügen. Musik ist für ihn zuerst Zeitkunst, deren erzählendes Element und emotionaler Klangwert wesentlich sind. Als „erneuernder Traditionalist“ habe er Europa als Quelle gewählt: Er schöpfe seine Mittel aus der Tradition, stelle wieder her und feile, und auch wo seine Musik wie spontane Improvisation klinge, sei alles „bis zum letzten Millimeter berechnet“.
Das Strijkkwartet von 1997/98 hat fünf statt der gebräuchlichen vier Sätze, was, so Anthony Fiumara im Begleitheft, auf eine klassizistische dramatische Tradition verweist: Wagemans erzählt eine Geschichte in fünf Akten, deren erster die Charakterangabe „raccontando“ trägt. In Raccontando treten die Stimmen wie in einem Renaissance-Madrigal paarweise auf und führen kurze fugierte Dialoge; Organum verweist auf den Kontrapunkt der Notre-Dame-Schule, mit parallel geführten Oberstimmen über dem „tenor“ im Violoncello. Die beiden folgenden, aphoristisch kurzen Sätze bringen die Bewegung zum Stillstand; an ihr Ende schrieb Wagemans die Mottos „give me the wings of faith to rise“ und „fiery the angels fell – Roy Batty“, Worte des Androiden aus dem Film „Blade Runner“ (1982). Die ersten vier Sätze werden immer minimalistischer und flüchtiger, eine allmähliche Beschleunigung, die im gewaltigen Finale Labyrinth explodiert und dem Quartett fast orchestrale Schwere gibt.
Der Titel von Ewig (1993) für Klavier und Schlagwerk bezieht sich auf das letzte gesungene Wort aus Mahlers „Lied von der Erde“. Wagemans beschreibt das Stück als Sammlung verwehter Klänge wie in einer fast unleserlich verbleichten Partitur, gruppiert um eine langsame gregorianische Melodie, die oft ein Schlaginstrument unisono mit dem Klavier spielt, sodass merkwürdige Mischklänge und Interferenzen entstehen; die tiefen, dumpfen Glocken bilden ein leeres Ölfass und die zwei präparierten tiefsten Saiten des Klaviers. Frage, worauf hoffen (1999) für zwei Violoncelli greift einen „pessimistischen Satz“ aus B. A. Zimmermanns „Requiem für einen jungen Dichter“ auf. Mit einer ganz einfachen Geste wird die Frage immer wieder anders gestellt, heftig, fast unhörbar leise, ängstlich, hysterisch oder erwartungsvoll; zuletzt ringen sich die Celli in kreisenden, gebrochenen Dreiklängen „in die ewig blaue Luft“ durch.
Das DoelenKwartet mit Frank de Groot, Laurens van Vliet, Karin Dolman und Hans Woudenberg ist aus dem Doelen Ensemble hervorgegangen, für das Wagemans die Programme entwirft, und hat seinen Sitz im Rotterdamer Konzerthaus De Doelen. Ewig spielen Paul Hermsen (Klavier) und Richard Jansen (Schlagzeug), Soloschlagzeuger des Nordholländischen Philharmonischen Orchesters. Frage, worauf hoffen spielt die Cellistin Monique Bartels, der Wagemans Werke gewidmet hat, zusammen mit ihrer Schülerin Monique Heidema. Die Aufnahmen entstanden im Juni, Juli und September 2000 in der Dorpskerk in Rhoon.
