Klavierwerke um den Russischen Futurismus (Vol. 1-4, im Schuber)

Erschienen: 2016

Kurzbeschreibung

Der Pianist Thomas Günther (Folkwang-Hochschule Essen) fasst seine ausgedehnte, vierteilige Exkursion durch das Repertoire russischer Komponisten aus dem geistigen Umfeld des Futurismus mit dem vorliegenden 4SACD-Schuber zusammen. Seit seiner ersten Begegnung mit diesen Werken, anlässlich der Berliner Festwochen 1983, hat er sich immer wieder intensiv mit ihnen beschäftigt und sich dabei neue interpretatorische Facetten und ein tiefes Verständnis ihrer kompositorischen Strukturen erarbeitet. Auf der Basis dieser Erfahrungen entfaltet sich nun überhaupt erst die besondere narrative Qualität dieser Werke, die sich auf verblüffende Weise als unmittelbar ansprechende musikalische Formulierungen erweisen, eben um jene futuristischen Versuche sich in einer neuen und zeitgemäßen Sprache auszudrücken.

Beschreibung

Der Pianist Thomas Günther (Folkwang-Hochschule Essen) fasst seine ausgedehnte, vierteilige Exkursion durch das Repertoire russischer Komponisten aus dem geistigen Umfeld des Futurismus mit dem vorliegenden 4SACD-Schuber zusammen. Seit seiner ersten Begegnung mit diesen Werken, anlässlich der Berliner Festwochen 1983, hat er sich immer wieder intensiv mit ihnen beschäftigt und sich dabei neue interpretatorische Facetten und ein tiefes Verständnis ihrer kompositorischen Strukturen erarbeitet. Auf der Basis dieser Erfahrungen entfaltet sich nun überhaupt erst die besondere narrative Qualität dieser Werke, die sich auf verblüffende Weise als unmittelbar ansprechende musikalische Formulierungen erweisen, eben um jene futuristischen Versuche sich in einer neuen und zeitgemäßen Sprache auszudrücken.


Vom italienischen Futurismus gingen seit 1909 künstlerischen Impulse aus mit denen sich die russische Kunstszene fruchtbar aber nicht unkritisch auseinander setzte. Die musikalisch entscheidenden Einflüsse lieferte jedoch hauptsächlich das kompositorische Spätwerk von Alexander Skrjabin, der bereits gegen 1909 eine nicht mehr tonale Kompositionsweise entwickelt hatte. Die Anthologie »Klavierwerke um den Russischen Futurismus« dokumentiert nun erstmals in diesem Umfang die bemerkenswerten musikalischen Experimente einer jungen Komponistengeneration, die in der künstlerischen und gesellschaftlichen Aufbruchstimmung der 1910er und 20er Jahre ihre Wurzeln hat.


Was die sechs Komponisten unserer Edition zunächst vereint sind ihre tragischen Schicksale, die sich von der künstlerischen Isolation im Exil, der Unterdrückung ihrer Werke bis hin zur vollständigen Diskreditierung und Repression ihrer Personen erstreckte. Diese Umstände haben ihre Biographien und kompositorischen Hinterlassenschaften für Jahrzehnte in fast völlige Vergessenheit sinken lassen. Es ist maßgeblich ein Verdienst des Komponisten und Exil-Musikforschers Juan Allende-Blin, dass seit den späten 1970er Jahren Kompositionen von Nikolaj Obuchov, Sergej Protopopov, Ivan Wyschnegradsky, Arthur Lourié, Alexander Mosolov und Nikolaj Roslavets wieder zur Aufführung kamen.


Für die Berliner Festwochen 1983 konnte Allende-Blin den Pianisten Thomas Günther als Interpret dieser bis dahin nahezu ungehörten Klaviermusik engagieren. Damit war die Angelegenheit aber nicht erledigt und die Auseinandersetzung mit diesen Komponisten und ihren außergewöhnlichen Werken beschäftigte Günther in der Folge immer wieder. Er erweiterte regelmäßig sein Repertoire und vertiefte sein Verständnis für die kompositorischen Verfahrensweisen. So entwickelte sich eine differenzierte Sichtweise die ihn jedem einzelnen Stück neue interpretatorische Facetten abgewinnen lässt. 2007 bot sich schließlich die Möglichkeit diese Erfahrungen in einer vier Teile umfassenden Aufnahmeserie zu dokumentieren.


Die Aufnahmen entstanden in Co-Produktion mit dem Deutschlandfunk im regelmäßigen Abstand von je zwei Jahren zwischen 2008 und 2014. Die Einzelteile beinhalten jeweils ein aussagekräftiges und dramaturgisch geschlossenes Programm, unter den ausgewählten Werken befinden sich auch etliche Weltersteinspielungen. Die SACD-Reihe möchte auf das Schicksal dieser Komponistengeneration und besonders die außerordentliche Qualität des Repertoires aufmerksam machen. Dabei wurde keine enzyklopädische Vollständigkeit angestrebt, sondern aussagekräftigen Werkkoppelungen und kompositorischer Qualität der Vorzug gegeben.


Hörbeispiele und Produktdetails:


Volume 1


Volume 2


Volume 3


Volume 4

Details

Thomas Günther (Klavier, Steinway D Flügel)


Hörbeispiele und Produktdetails:


Volume 1


Volume 2


Volume 3


Volume 4


Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas


Begleitheft-Sprachen: Deutsch und Englisch (4 Digipaks im Schuber)


 


Eine Co-Produktion mit Deutschlandfunk




Gefördert durch die Kunststiftung NRW


 



Biografien

Thomas Günther
erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Folkwang-Hochschule Essen und an der Hochschule der Künste Berlin. Wichtige Anregungen verdankt er außerdem den Schnabel-Schülern Maria Curcio (London) und Konrad Wolff (New York). 1980 wurde er in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen, gewann 1981 den Folkwang-Wettbewerb und trat 1983 erstmals als Solist bei den Berliner Festwochen auf. In den folgenden Jahren gab Thomas Günther sein Debut in der Berliner Philharmonie mit Beethovens 5. Klavierkonzert und gastierte bei weiteren nationalen und internationalen Festivals: den „Duisburger Akzenten“, den „Dresdner Tagen für zeitgenössische Musik“, dem “Autunno musicale“ in Venedig, dem „Festival de musique contemporaine d’Evreux“, dem “Rheinischen Musikfest“ und den „Europäischen Kulturtagen“ in Karlsruhe. Darüber hinaus führten ihn Konzertreisen bis nach Südamerika und China.
Programmschwerpunkte sind, neben dem klassischen Repertoire, u.a. Werke russischer Futuristen (Protopopov, Wyshnegradsky, Lourié, Roslavetz, Mosolov, Obouchov) sowie zumeist unbekannte bzw. vergessene Klaviermusik der deutsch-jüdischen Exilgeneration und des Kreises um Schönberg (Kahn, Wolpe, Schulhoff, Klein, Haas, Spinner u.a.). Unter den Komponisten, die ihm Uraufführungen anvertrauten, waren u.a. John Cage („ONE“ for piano), Dieter Schnebel und Juan Allende-Blin.
Seit Ende der 80er Jahre liegt ihm die Beschäftigung mit der Klaviermusik Bachs sowie mit Fragen ihrer Interpretation auf dem Klavier besonders am Herzen. Er trat mit Gesamtaufführungen des „Wohltemperierten Klaviers“, der “Klavierübung II“ und der „Goldberg-Variationen“ in mehreren deutschen Großstädten auf. Wiederholt hielt er Workshops zu diesem Thema ab. Die Begegnung mit einem „Johann Baptist Streicher“-Hammerflügel aus dem Jahr 1848 führte zu erneuter intensiver Auseinandersetzung mit dem Sonatenwerk Franz Schuberts. Darüber hinaus ist Thomas Günther ein engagierter Kammermusiker in unterschiedlichen Besetzungen. Mit dem Geiger Johannes Prelle führte er Ende der 1990er Jahre alle Beethoven-Sonaten für Klavier und Violine auf.
Thomas Günther ist Professor für Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen.

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