Rolf Riehm: Orchesterwerke

Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender, Ensemble Oriol, Sebastian Gottschick, Ksenijá Lukic, Christoph Späth, Yaron Windmüller, Oswald Sallaberger

Erschienen: 2005

Katalog-Nummer: Cybele CD 860401

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Kurzbeschreibung

Riehm (* 1937) ist einer der eigenwilligsten Komponisten in Deutschland. Wenn er sich altfranzösischen Balladen, Schubert oder Bach zuwendet, dann immer mit genauem Blick auf das, wie wir heute diese Musik empfangen.

Beschreibung

He, tres doulz roussignol joly
Der Saarländische Rundfunk ging, auf Anregung seines damaligen Chefdirigenten Hans Zender, ein Projekt an, Musik aus der Zeit vor Monteverdi - also bevor sich so etwas wie eine symphonische Standardbesetzung anbahnte - in den Konzertsaal zu holen und beauftragte einige Komponisten, sich daran zu beteiligen. Welche Epoche wir uns für unsere Bearbeitung oder Transkription oder wie auch immer aussuchten, war offen. Ich folgte einem eher kultursoziologischen Impuls und wollte die Übertragung der Musik so anlegen, daß man zugleich Spuren ihres gesellschaftlichen Zusammenhanges wahrnehmen könnte. Als Arbeitsvorstellung hatte ich das Bild einer Sonde vor Augen, die ich in Gestalt der Instrumentierung an dieser Musik ansetze und so tief führe, daß ich auf die Veranlassung der Musik stoße. Eine Art musikalisches Soziogramm wäre denkbar, in dem die offizielle Musik, die der Kirchen und Höfe, mit der niederen und der niedrigsten, der Musik der Tanzböden und Lotterpfaffen, konfrontiert wird. Ich mache sie durch die Instrumentation vergleichbar und die Unvereinbarkeit, die dahinter stand, wird umso deutlicher. Ein kleiner spekulativer Aspekt: die knarrende, aufsässige Musik von damals - die fahrenden Spielleute waren der unterste Bodensatz, Gesindel und Lumpen, die Eiterbeulen der Rechtsordnung - diese Musik schlägt nach 500 Jahren endlich einmal zurück, sozusagen mit symphonischer Wucht. Mein Plan war, was damals offiziell nicht zu Worte kam, jetzt reden zu lassen und - kulturell - zu seinem Recht zu verhelfen.

Schubert Teilelager
In seinem Stück Schubert Teilelager (1989) für Streichorchester greift Riehm zu dekonstruktivistischen Verfahren. Die verwendeten Materialien sind ausschließlich aus der Vorlage gegriffen. Dem Lied Franz Schuberts "Der blinde Knabe" (D 833) sind einige Figuren aus der Klavierbegleitung entnommen und neu montiert. Die Melodie ist weggelassen, die Wendungen bleiben original erhalten - der Hintergrund wird zum Vordergrund, die Begleitung wird zum Thema. Durch Neukombination, durch Schichtung und Überblendung der Spielfiguren, ist durch die vielfach gestaffelte Dynamik ein Wechselspiel von Nähe und Ferne gebildet.

Die Erde ist eine Schale von dunkelm Gold
Ich habe mich während der Arbeit selbst wie eine Figur auf dieser neuen Bühne bewegt, deren Boden, Wände, Beleuchtung, Gassen, Requisiten etc. immer das Bachsche Präludium sind. Der Raum konkretisiert sich gleichsam peu à peu. Nachdem der Vorhang aufgezogen worden ist, hört man anfangs hoch oben (und tief unten) einen "Rahmen" aus Melodieteilen aller drei Bachschen Stücke und auch aus Leonce und und..., intervallisch sehr zusammengedrückt, im übrigen ist die Bühne leer. Dann werden Kulissen herein gebracht, große, kleine: ein dissonanter Kulminationsakkord aus dem vierten Takt des Präludiums. Die Bühne füllt sich, der Rahmen verschwindet, man ist in Augenhöhe. Noch flirrend, aber deutlich in der Bachschen Perspektive (Stimmführung, Ablauf, Lage...) hat die Bühne ihr Maß gewonnen und die Personen können auftreten.
Der zweite Satz, Leonce und und..., entstand bereits 1966 (meine erste Orchesterkomposition überhaupt) und war als in sich abgeschlossener Teil einer abendfüllenden Oper gedacht. Die Szene mit dem Text aus Büchners "Leonce und Lena" sollte in einem Guckkasten im Hintergrund der Bühne in das laufende Geschehen hart eingeschnitten werden, ziemlich früh schon und quasi als Modell des Geflechtes von Verweisen, mit denen ich in der übrigen Oper arbeiten wollte; Verweise zwischen Text, Gesang, Orchester, dramaturgischem Aufbau, Rückblicken in die Materialgeschichte der Musik etc.

Details

Track 1-5: Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken - Hans Zender (Dirigent)
Track 6: Ensemble Oriol - Sebastian Gottschick (Dirigent)
Track 7-8: Ksenijá Lukic (Sopran) - Christoph Späth (Tenor) - Yaron Windmüller (Bariton) - Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken - Oswald Sallaberger (Dirigent)

Begleitheft-Sprachen: Deutsch und Englisch (32 Seiten Umfang mit Digipak)


Eine Co-Produktion mit dem SR und dem WDR

Biografien

Rolf Riehm
wurde 1937 in Saarbrücken geboren. Er studierte zunächst Schulmusik in Frankfurt am Main und ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg. Danach Tätigkeit als Solo-Oboist (u.a. mit Ungebräuchliches bei den Internationalen Ferienkursen Darmstadt 1966). Riehm ist Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik, die von 1964 bis 1970 existierte. Nach kurzem Schuldienst war er ab 1968 Dozent an der Rheinischen Musikschule Köln, wo er bis 1972 auch Mitglied der „Gruppe 8“, einem Zusammenschluß Kölner Komponisten, war.
1968 erhielt er die Auszeichnung „Premio Marzotto per la Musica“ und ein Stipendium der Villa Massimo, das ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte.
Von 1974 bis 2000 war Rolf Riehm Professor für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt am Main, von 1976 bis 1981 Mitglied des legendären „Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters“ Frankfurt.
Konzertreisen, Vorträge und Workshops führten ihn u.a. nach Mittel- bzw. Südamerika und Japan. 1992 erhielt er den Kunstpreis des Saarlandes, 2002 den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau.

Rolf Riehm: Orchesterwerke
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MP3 & FLAC Tracktitel Spielzeit Preis
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1) He, très doulz roussignol joly (1978) nach altfranzösischen Balladen und Virelais für Orchester - Le greygnour bien
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender
4:19
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2) He, très doulz roussignol joly (1978) nach altfranzösischen Balladen und Virelais für Orchester - He, très doulz roussignol joly
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender
3:00
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3) He, très doulz roussignol joly (1978) nach altfranzösischen Balladen und Virelais für Orchester - Ung lion say
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender
2:41
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4) He, très doulz roussignol joly (1978) nach altfranzösischen Balladen und Virelais für Orchester - Alarme, alarme
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender
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5) He, très doulz roussignol joly (1978) nach altfranzösischen Balladen und Virelais für Orchester - Sus un fontayne
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Hans Zender
4:13
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6) Schubert Teilelager (1989)
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
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7) Die Erde ist eine Schale von dunkelm Gold (1966-99), Zwei Bach-Paraphrasen - Paraphrase Nr. 1, Garten. Nacht und Mondschein
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Ksenijá Lukic, Christoph Späth, Yaron Windmüller, Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Oswald Sallaberger
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8) Die Erde ist eine Schale von dunkelm Gold (1966-99), Zwei Bach-Paraphrasen - Paraphrase Nr. 2, Leonce und und ... (Georg Büchner)
Komponist: Rolf Riehm (1937-)
Interpret(en): Ksenijá Lukic, Christoph Späth, Yaron Windmüller, Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, Oswald Sallaberger
15:11
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Gesamtspielzeit  59:25  
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