Künstlerprofil

Gerd Zacher: Orgelwerke

Gerd Zacher

Erschienen: 2005

Katalog-Nummer: Cybele SACD 060501

Hybrid-SACD Stereo+5.1ch Surround Sound USB-Stick
6CH

Kurzbeschreibung

Zacher (* 1929) hat Orgelwerke von Cage, Kagel, Ligeti, Schnebel und Yun uraufgeführt. Seine eigene Musik folgt, was Lautstärke oder Klangfarbe anbelangt, ihren eigenen Gesetzen.

Beschreibung

Die Sieben Stationen eines Textes lehnen sich an den Bericht des Propheten Jeremia im 36. Kapitel an. Dort durchläuft ein Text des Propheten, den er im Gefängnis diktierte, verschiedene Zustände, die zu musikalischen Anregungen werden für sich verändernde Veränderungen, Variationen über Variationen. Der Zyklus gliedert sich dementsprechend in sieben Sätze.
Mein Anliegen ist nicht so sehr die Schilderung der Ereignisse sondern die Verwandlungen, die an dem Text geschehen, in einem anderen Raum zu einem anderen Zeitpunkt mit anderen Ohren gehört, anders formuliert oder gar vernichtet. Dies alles ist in das Innere der Musik verlegt und bewirkt damit ihre wechselnde Struktur. Die Einheit des Textes liegt auf dem Gebiet der Musik eben in der Zwölftonreihe, die durch immer wieder andere Verwendung in aller Freiheit eine reiche Vielfalt an Äußerungen ermöglicht.
Die Komposition Szmaty ist Isang Yun gewidmet. Er hatte für mich seine erste graphische Komposition „Tuyaux sonores“ erfunden. Aber kurz vor der Uraufführung wurde er aus der Bundesrepublik Deutschland nach Südkorea entführt unter falscher Anklage der Spionage. Um seine Freilassung zu erwirken, spielte ich in jener Zeit häufig in der Öffentlichkeit „Tuyaux sonores“ oder das ihm gewidmete „Szmaty“.
Der Titel ist das polnische Wort für „Fetzen, Lumpen“ und bezieht sich auf den Psalmvers „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen“. Die polnischen Laute lassen sich zu klanglichen Eigenschaften der Orgel in Beziehung setzen: SZ (gesprochen sch) = Rauschen, M = Summen, A = Schallen, T = Spucken, Y = Verklingen.
Vocalise ist eine Studie für den Schwelltritt der Orgel. Über einem liegenden Akkord werden die Türflügel der Jalousien nach exakt notiertem Rhythmus bedient. So dauert das Öffnen und Schließen immer verschieden lang. Scharfe rhythmische Zeitpunkte werden nicht wahrnehmbar, weil alles ständig im Übergang oder Umschwung ist. Dabei entfalten sich die Formantbereiche der Vokale: A bei geöffnetem Schweller, U (oder gar M) bei geschlossenem. Da der ruhende Akkord aus zwei ineinander verschränkten Glockengeläuten besteht (d-f-g und As-B-des), werden auch diese wechselseitig beleuchtet und sprechen das Gehör auf besondere Weise an.
Über dieser Wellenbewegung spielen sich Melodien, Beimischungen und Akzente ab, die aus den restlichen sechs Tönen gebildet sind, die sich manchmal wie hebräische Gesänge anhören.
Der Titel Diferencias ist von alten spanischen Variationenzyklen übernommen. Das Stück setzt sich mit den Konsequenzen des Variationsbegriffs auseinander. Es ist zwölftönig seriell angelegt. Diese Fomulierung führt allerdings heute in die Irre. Aber der 1933 aus Deutschland verjagte Erich Itor Kahn schrieb: „I tried to find the structure of each work I undertake to write, also the appropriate functioning of the serial principles, so that it should always remain I who composes and never the ‚system’ itself“. (Ich suchte den Aufbau eines jeden meiner neuen Werke zu finden, auch das angemessene Verhalten der seriellen Prinzipien, so daß immer ich es bliebe, der komponiert, und nicht das System selbst.) Diese Musikkultur wurde von den Nazis ins Exil geschickt und bleibt bis heute verdrängt und verschwiegen.
In diesem Stücke gibt es also kein Thema, sondern die Variationen durchdringen sich gegenseitig und schaffen immer wieder neue Gestalten. Die zehn Sätze gliedern sich nach ihrer Struktur in fünf charakteristische Tempi: Allegro – Vivace – Moderato –Tranquillo – Largo.
Anhand von John Cage’s Variations I for any kind and number of instruments (1958) gelang mir die Erfindung des variablen Tastendrucks auf der Orgel. Da es sich um eine Komposition mit „chance operations“ handelt, fand ich richtig und logisch, daß der Zufall auch in die Interpretation eingreifen muß. Ich hatte während meiner Versuche das scheinbar unmögliche Ergebnis bekommen, auf dem Vollen Werk der Orgel unter anderem so leise wie möglich spielen zu sollen. Nach einiger Zeit entwickelte ich folgende Skala: ff = normaler Anschlag, f = geringes Lockerlassen der Taste, so daß eine leichte Trübung der Tonhöhe eintritt, mf = weiteres Lockerlassen, bis Teiltöne (Flageoletts) auftreten, pp = allervorsichtigstes Niederdrücken der Taste, so daß kaum ein Hauch zu hören ist, p = etwas mehr Klang darf wahrgenommen werden, mp = erkennbare Tonhöhen dürfen auftreten, jedoch nicht in jener Lage, welche traditionell der Taste entsprechen würde.
Ré ist der französische Name für den Ton D. Seine Eigenschaften, Assoziationen und Anspielungen werden hier im Wesentlichen anhand eines Orgelpunktes entfaltet. Einmal ist es eine große Lippenpfeife, deren klangliche Erscheinung durch den Intonateur beeinflußt wird. Er verändert die Ansprache, indem er mit Papier und Karton am Labium der Pfeife hantiert. So wird ein Spektrum an Klangfarben erzeugt, das vom Hauch bis zum Überblasen reicht und oftmals Teiltöne offenlegt oder gelegentlich im Winde flatterndes Papier hören läßt. Zum anderen ruht der Orgelpunkt auf einer tiefen Zungenpfeife (Posaune oder Fagott), in deren Klang ein Krummhorn eingeblendet ist, das während der Dauer hinauf- und hinabgestimmt wird. So entstehen ständig sonderbare Intervalle mit kleinsten Abweichungen und Schwebungen, die den Orgelpunkt in wechselndem Licht erscheinen lassen.

Details

Gerd Zacher an der großen Karl-Schuke-Orgel (1968) - IV/41, Evangelische Kirche Essen-Rellinghausen
Track 21: Ingo Vinck (Intonateur)


Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas


Begleitheft-Sprachen: Deutsch und Englisch (28 Seiten Umfang mit Digipak)


Gefördert von der Kunststiftung NRW

Biografien

Gerd Zacher
wurde 1929 in Meppen an der Ems geboren. Ersten Musikunterricht erhielt er bei dem Reger-Schüler Fritz Lubrich. Er studierte in Detmold bei Günter Bialas (Komposition), Kurt Thomas (Dirigieren) und bei den Straube- Schülern Hans Heintze und Michael Schneider (Orgel), anschließend in Hamburg bei dem Busoni-Schüler Theodor Kaufmann (Klavier und Theorie). Kurse bei Helmut Walcha und Olivier Messiaen folgten. 1954-57 war er Kantor und Organist an der deutschen evangelischen Kirche in Santiago de Chile, danach an der Lutherkirche in Hamburg-Wellingsbüttel. („Gerd Zacher a joué toutes mes oeuvres d’orgue – intégrale au grand complet – à Hamburg, et il est certainement l’un des plus brillants interprètes de ma musique“, Olivier Messiaen). 1970 wurde er als Leiter der Abteilung für Evangelische Kirchenmusik an die Folkwang-Hochschule in Essen berufen. Viele Werke zeitgenössischer Orgelmusik, die ihm gewidmet sind, hat er uraufgeführt (Allende-Blin, Cage, Englert, Herchet, Kagel, Ligeti, Otte, Schnebel, Yun...). Er unternahm Konzerttourneen im In- und Ausland und spielte zahlreiche Schallplatten ein. Eigene Chor- und Orgelwerke machten ihn weiterhin bekannt (Lexikon „Komponisten der Gegenwart“). Durch Seminare und Veröffentlichung von Texten hat er die heutige Bach-Interpretation nachhaltig beeinflußt. Die Einspielung seiner eigenen Orgelwerke bei Cybele Records auf Super Audio CD wurde 2005 mit dem „Diapason d’Or“ ausgezeichnet. Er starb 2014 in Essen.

Auszeichnungen

Diapason d'Or (DIAPASON, Ausgabe Oktober 2005)

Gerd Zacher: Orgelwerke
USB-Stick SACD
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Medium Information Preis
SACD Gerd Zacher: Orgelwerke (Hybrid-SACD Stereo+5.1ch Surround Sound)
EAN/UPC-Barcode: 809548009922
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USB-STICK Gerd Zacher: Orgelwerke (USB-Stick)
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MP3 & FLAC Tracktitel Spielzeit Preis
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1) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), I WORT (Improvisation)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:26
0,99 €
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2) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), II DIKTAT (Varianten-Kanon)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
3:11
1,99 €
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3) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), III LESUNG (Pedal in Augmentation)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:10
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4) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), IV BERICHT (Etude)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
1:26
0,69 €
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5) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), V LESUNG (Pedal in Diminution)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:23
0,99 €
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6) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), VI LESUNG (Interruptionen)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:41
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7) Text - Sieben Stationen eines Textes nach Jeremia 36 (1963), VII DIKTAT (Potpourri-Kanon)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:44
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8) Szmaty (Psalm 22, 19) (1968)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
12:55
4,99 €
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9) Vocalise (1971)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
8:27
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10) Diferencias (1961) - I Vivace
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
0:57
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11) Diferencias (1961) - II Largo
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
1:27
0,69 €
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12) Diferencias (1961) - III Allegro
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
3:16
1,99 €
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13) Diferencias (1961) - IV Vivace
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
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14) Diferencias (1961) - V Moderato
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
2:34
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15) Diferencias (1961) - VI Largo
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
0:47
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16) Diferencias (1961) - VII Vivace
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
1:56
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17) Diferencias (1961) - VIII Tranquillo
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
1:22
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18) Diferencias (1961) - IX Allegro
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
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19) Diferencias (1961) - X Tranquillo
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
1:10
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20) Realisation über Cage's Variations I (1958, 1966)
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher
5:46
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21) Ré (1969) für Orgelspieler und Intonateur
Komponist: Gerd Zacher (1929-)
Interpret(en): Gerd Zacher, Ingo Vinck
7:08
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Gesamtspielzeit  67:08  
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FLAC 24bit 96kHz Stereo (1,288.17MB)
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DSD 1bit 2.8224MHz Stereo (2,717.81MB)
18,90 €
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FLAC 24bit 96kHz 5.1 Surround (3,715.34MB)
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DSD 1bit 2.8224MHz 5.1 Surround (8,153.40MB)
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