26. APRIL 2017

Die achte Folge der "Künstler im Gespräch"-Edition mit dem Ausnahme-Komponisten Bernd Alois Zimmermann ist soeben erschienen, ein Mammutprojekt, das durch ein 88-seitiges, reich bebildertes Begleitheft dokumentiert wird.

Bernd Alois Zimmermann und das symphonische Spätwerk

In seinen umfangreichsten Arbeiten wollte Bernd Alois Zimmermann die komplexesten Zusammenhänge des Zeitgeschehens und seiner Weltanschauung verarbeiten auf eine derart intensive und allumfassende Art und Weise, als sei jede dieser Schöpfungen die einzige und vielleicht auch seine letzte.

Die Edition enthält neben seiner Musik seine Originalstimme, aufwendig restauriert und einem bislang unveröffentlichten Tondokument entnommen, ein Gespräch mit seinem letzten Schüler York Höller sowie einen Originaltext für „Les soupers du Roi Ubu“, geschrieben und gesprochen von Elke Heidenreich.

Bernd Alois Zimmermann und das symphonische Spätwerk - Edition Künstler im Gespräch Vol. 8

sowie Aufnahmen mit der Originalstimme von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970)

MUSIK (52:12 Min.):
Concerto pour violoncelle et orchestre (1965/66)
Musique pour les soupers du Roi Ubu (1962–1967)
Stille und Umkehr (1970)

SPRACHE (146:45 Min.):
Elke Heidenreich liest Sicher auf dem Seil der Musik über die Abgründe des Daseins (2013)
B. A. Zimmermann O-Töne (1968)
Mirjam Wiesemann im Gespräch mit York Höller (2016)

Eine Co-Produktion mit dem SWR.

Gefördert von der Kunststftung NRW, der Pro Musica Viva - Maria Strecker-Daelen Stiftung und der Akademie der Künste.

Ich bin überzeugt, dass all diese Dinge, die ja sehr komplexe Vorgänge sind, so angelegt sind, dass jeder Hörer, ganz gleichgültig, welcher intellektuellen und sozialen Schicht er angehört, irgendwo (…) gepackt wird. Bernd Alois Zimmermann)

Diese O-Töne von Bernd Alois Zimmermann (SACD2) sind einem von Cybele restaurierten Gespräch zwischen ihm und Prof. Herbort entnommen, das 1968 anlässlich eines geplanten Plattentextes für seine Oper Die Soldaten in Zimmer­manns Haus in Groß­königsdorf stattfand und dessen Auszüge mit Zimmermanns Stimme im Rahmen dieser Edition erstmals veröffentlicht werden.

Bernd Alois Zimmermann – Da ist zum einen sein in mancher Hinsicht extrem aufwändig zu realisierendes symphonisches Werk, das unter anderem äußerst selten eingesetzte Instrumente verwendet, wie zum Beispiel die Glasharfe im Concerto pour violoncelle et orchestre en forme de ,pas de trois’ (erstmals auf Tonträger mit Glasharfe eingespielt) sowie das Cymbalom (eine Art Hackbrett), für das man nur wenige Interpreten findet.

In seinen umfangreichsten Arbeiten wollte er die komplexesten Zusammenhänge des Zeitgeschehens und seiner Weltanschauung verarbeiten auf eine derart intensive und allumfassende Art und Weise, als sei jede dieser Schöpfungen die einzige und vielleicht auch seine letzte.
Zum anderen musste Zimmermann schreckliche Kriegserlebnisse verkraften, die ihn als sensiblen, tiefgründigen Menschen nachhaltig traumatisiert hatten.

York Höller, Zimmermanns letzter Schüler, studierte von 1967 bis 1970 bei Bernd Alois Zimmermann, genau in den Jahren, in denen Zimmermanns symphonische Spätwerke entstanden, die auf dieser Edition zu hören sind. Höller spricht über ganz persönliche Werte, seine eigenen Werke und Weltanschauungen und die existentielle Bedeutung der künstlerischen Arbeit.
Er erinnert sich in seinem Gespräch mit Mirjam Wiesemann (SACD 2 & 3) an Ereignisse und Eindrücke aus diesen letzten Jahren des Komponisten – so erlebte Höller auch die Entstehung des Roi Ubu hautnah mit (SACD 1). Am Ende von SACD 1 hören Sie ein „modernes Märchen“ von Elke Heidenreich, das von der Autorin eigens für den Roi Ubu für Cybele eingesprochen wurde.

Bei den Interpreten der drei Spätwerke ist die Idealbesetzung für Zimmermanns komplexe Werke versammelt: Unter der Leitung von Bernhard Kontarsky, dessen Einspielung von Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter bei Cybele bereits viele internationale Preise erhalten hat, läuft das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR zur Bestform auf. In Zimmermanns Cellokonzert eröffnen sich dem Hörer mithilfe des Ausnahme-Cellisten und Zimmermann-Experten Jan-Filip Ťupa und dem Glasharfenduo sinfonia di vetro Klangwelten, die man so noch nie zu Gehör bekommen hat.